Gallensteine

Gallensteine: Warum sie entstehen, wie du sie erkennst und was du tun kannst

Schätzungsweise jede fünfte erwachsene Person in der Schweiz hat Gallensteine. Die meisten bemerken es nie. Wie sie entstehen, wann sie Beschwerden machen und was wirklich zu tun ist.

Gallensteine: Warum sie entstehen, wie du sie erkennst, was du tun kannst

Ein Stechen unter der rechten Rippe nach einem fettigen Essen. Ein dumpfes Druckgefühl im Oberbauch, das nach einer Stunde wieder verschwindet. Oder gar nichts. Kein Schmerz, kein Signal, kein Hinweis. Und trotzdem sind sie beim nächsten Ultraschall plötzlich sichtbar: Gallensteine. Häufiger als man denkt, und in vielen Fällen vollkommen still.

Viele von uns haben sie

Schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz haben Gallensteine. Das entspricht über einer Million Menschen. Die meisten wissen es nicht. Gallensteine werden häufig zufällig entdeckt, zum Beispiel beim Ultraschall für etwas ganz anderes oder beim Routine-Check.

Gleichzeitig zählt die Gallenblasenentfernung zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen in der Schweiz. Das zeigt, wie verbreitet das Thema ist und wie wenig die meisten Menschen darüber wissen, bevor es sie selbst betrifft. Wer versteht, wie Gallensteine entstehen und was sie bedeuten, kann viel ruhiger damit umgehen, wenn sie auftauchen.

Was ist die Gallenblase, und was hat sie mit der Leber zu tun?

Die Gallenblase ist ein kleines, birnenförmiges Organ, das direkt unter der Leber sitzt. Ihre Aufgabe ist es, Galle zu speichern. Die Galle selbst wird in der Leber produziert und ist unverzichtbar für die Verdauung: Sie hilft dem Dünndarm dabei, Fette aus der Nahrung aufzuspalten und aufzunehmen.

Wenn du etwas Fettiges isst, bekommt die Gallenblase ein Signal und zieht sich zusammen. Die gespeicherte Galle fliesst in den Zwölffingerdarm , den ersten Abschnitt des Dünndarms, und setzt die Verdauungsarbeit in Gang.

Das funktioniert normalerweise reibungslos. Problematisch wird es, wenn die Zusammensetzung der Galle aus dem Gleichgewicht gerät.

Wie entstehen Gallensteine?

Galle besteht aus verschiedenen Bestandteilen: Cholesterin, Gallensalzen, Bilirubin (einem Abbauprodukt roter Blutkörperchen) und Wasser. Solange diese Bestandteile im richtigen Verhältnis zueinanderstehen, bleibt die Galle flüssig.

Wenn aber zu viel Cholesterin und zu wenig Gallensalze vorhanden sind, kann das Cholesterin auskristallisieren. Aus kleinen Kristallen werden mit der Zeit Steine – mal sandkornklein, mal haselnussgross. In der Schweiz sind über 80 Prozent der Gallensteine sogenannte Cholesterinsteine. Seltener sind Pigmentsteine, die aus Bilirubin entstehen.

Einige Faktoren erhöhen das Risiko, Gallensteine zu entwickeln:

  • Alter: Ab 40 steigt die Häufigkeit deutlich an. Das Risiko mit jedem Jahrzehnt weiter
  • Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer; weibliche Hormone begünstigen die Bildung von Cholesterinsteinen
  • Übergewicht: Erhöht den Cholesteringehalt der Galle
  • Schnelles Abnehmen: Paradox, aber wahr: wer sehr rasch abnimmt, regt die Cholesterinausschüttung in die Galle stark an
  • Wenig Bewegung: Wer sich kaum bewegt, regt auch die Gallenblase weniger an sich zu entleeren
  • Genetik: Gallensteine kommen in manchen Familien gehäuft vor

Das bedeutet nicht, dass du Gallensteine bekommen wirst, wenn du einen dieser Faktoren hast. Es bedeutet: Es lohnt sich, die Gallenblase im Blick zu behalten.

Wie merke ich, ob ich Gallensteine habe?

Oft gar nicht. Das ist die etwas unbefriedigende, aber ehrliche Antwort. Viele Gallensteine machen nie Beschwerden und werden deshalb nie entdeckt, oder eben zufällig beim Ultraschall.

Wenn Gallensteine Beschwerden verursachen, sind das häufig:

  • Drückende oder krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch, manchmal bis in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlend
  • Beschwerden, die besonders nach fettreichen Mahlzeiten auftreten
  • Übelkeit, manchmal auch Erbrechen

Diese Schmerzattacken nennt man Gallenkolik. Sie entstehen, wenn ein Stein vorübergehend den Ausgang der Gallenblase blockiert. Die Gallenblase versucht, den Stein weiterzuschieben, das ist der Schmerz. Eine Gallenkolik dauert meist 30 Minuten bis wenige Stunden, dann klingt sie von selbst ab.

Anhaltende starke Schmerzen, Fieber oder eine Gelbfärbung der Haut oder Augen sind Zeichen, dass ein Arztbesuch zeitnah sinnvoll ist. Das könnte auf eine Entzündung oder Komplikation hinweisen.

Was passiert, wenn Gallensteine festgestellt werden?

Das kommt ganz darauf an, ob sie Beschwerden machen oder nicht.

Steine ohne Beschwerden: Hier ist Abwarten oft völlig in Ordnung. Viele Menschen in der Schweiz leben jahrelang mit Gallensteinen, ohne je Probleme zu haben. Regelmässige Kontrollen können sinnvoll sein, mehr braucht es meist nicht.

Steine mit wiederkehrenden Beschwerden: Gastroenterologen empfehlen in diesem Fall häufig die Entfernung der Gallenblase, auf Fachsprache Cholezystektomie. Das klingt nach einem grossen Eingriff. Ist es aber meistens nicht: Der Eingriff erfolgt laparoskopisch, also mit kleinen Schnitten und einer Kamera. Sie dauert weniger als eine Stunde. Viele Patientinnen und Patienten können noch am selben Tag nach Hause.

Und ohne Gallenblase? Lebt man sehr gut. Die Leber produziert weiterhin Galle. Statt gespeichert zu werden, fliesst sie einfach kontinuierlich in den Dünndarm. Die Verdauung funktioniert, manchmal braucht es etwas Zeit zur Anpassung, besonders bei sehr fettreichen Mahlzeiten.

Was kann ich vorbeugend tun?

Patentlösungen gibt es keine. Aber einige Dinge helfen, das Risiko zu senken:

Regelmässige Mahlzeiten mit ausreichend Ballaststoffen unterstützen die Gallenblase dabei, sich regelmässig zu entleeren. Steine entstehen auch dann, wenn die Galle zu lange stagniert. Langsames, kontinuierliches Abnehmen ist einer der wichtigsten Punkte: Wer abnehmen möchte, ist mit moderaten Schritten besser beraten als mit Crash-Diäten. Und ausreichend Bewegung – auch nur Spazierengehen – tut der Gallenblase gut.

Kurz gesagt: Was dem Darm gut tut, tut meistens auch der Gallenblase gut.

Eine Zufallsdiagnose Gallensteine klingt erst einmal beunruhigend. In den meisten Fällen ist sie es aber nicht. Viele Menschen brauchen gar nichts zu tun, ausser gelegentlich nachzuschauen, ob sich etwas verändert hat.

Geschrieben am 16.06.2026


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