Darmspiegelung: Warum wir uns davor drücken und warum das schade ist
Über die Steuererklärung reden wir offener als über die Darmspiegelung. Dabei ist die Scham meistens grösser als der Grund dafür. Ein ehrlicher Blick darauf, warum wir Termine aufschieben und warum sich das ändern darf.
Darmspiegelung: Warum wir uns davor drücken und warum das schade ist
Über die Steuererklärung reden wir offener als über die Darmspiegelung. Dabei dauert die Steuererklärung länger und ist garantiert nicht angenehmer. Trotzdem schieben viele Menschen ihren Termin monatelang vor sich her. Nicht aus Sorglosigkeit. Sondern aus einem ziemlich menschlichen Grund: Es ist ihnen peinlich.
Man kennt es
Der Termin steht seit Wochen im Kalender. Und trotzdem findest du jedes Mal einen guten Grund, ihn zu verschieben. Zu stressig gerade. Der Herbst kommt dazwischen. Nächsten Monat passt es besser.
Ehrlich gesagt steckt meistens etwas anderes dahinter. Die Vorstellung, dass jemand deinen Po sieht. Dass es bei "unten rum" um etwas geht, worüber man am Familientisch nicht spricht.
Das geht fast allen so, die den Termin noch vor sich haben. Und fast allen, die ihn hinter sich haben, sagen danach: War halb so wild.
Worum es bei der Scham eigentlich geht
Popo, Stuhlgang, Verdauung: Irgendwo zwischen Kindergarten und Erwachsenenleben haben wir gelernt, darüber zu schweigen. Dabei ist die Verdauung das Einzige, das bei wirklich jedem Menschen gleich funktioniert. Reich, arm, prominent, unscheinbar, der Darm macht keinen Unterschied.
Trotzdem tun wir so, als wäre unser eigener Körper ein peinliches Geheimnis. Genau diese Scham ist der eigentliche Grund, warum Termine verschoben werden. Nicht die Untersuchung selbst.
Und ehrlich, für das medizinische Personal ist dein Popo an diesem Tag nichts Besonderes. Sie sehen ihn den ganzen Tag, bei ganz unterschiedlichen Menschen, mit der gleichen professionellen Gelassenheit, mit der ein Zahnarzt in Münder schaut. Niemand im Raum findet das aufregend. Ausser vielleicht du, aus Nervosität.
Der zweite grosse Punkt neben der Scham: die Vorbereitung. Der Gedanke an das Abführmittel und die Zeit auf der Toilette hält viele mehr ab als die Untersuchung selbst. Auch das ist völlig normal. Unangenehm, ja. Gefährlich oder unerträglich, nein. Es ist ein unangenehmer Tag – kein unangenehmes Leben.
Und dann ist da noch die Angst vor dem, was gefunden werden könnte. Auch die ist menschlich. Aber sie funktioniert genau andersherum, als man denkt: Wer hinschaut, hat mehr Kontrolle. Wer wegschaut, hat nur mehr Ungewissheit.
Was an dem Tag wirklich passiert
Kurz gesagt: weniger dramatisch, als die meisten glauben. Du bekommst ein leichtes Schlafmittel. Du verschläfst also die Untersuchung und bekommst davon gar nichts mit. Kein Schmerz, keine peinliche Erinnerung, kein Gesprächsstoff für schlaflose Nächte danach.
Die Untersuchung selbst dauert meist nur ungefähr 20 Minuten. Danach ruhst du dich kurz aus, isst und trinkst etwas, und der Tag geht weiter. Und zwar mit dem guten Gefühl, es hinter sich gebracht zu haben.
Ein kleiner, realistischer Schritt
Du musst nicht sofort einen Termin buchen, wenn dir schon beim Lesen dieses Textes unwohl wird. Ein guter erster Schritt reicht völlig: Sprich einmal offen darüber. Mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, deinem Partner, einer Freundin, die es schon hinter sich hat. Allein das nimmt oft die Hälfte der Anspannung.
Zum Schluss
Über den eigenen Darm zu sprechen ist kein Grund zur Scham. Es ist ein Grund, sich selbst ernst zu nehmen. Wer offen darüber spricht, macht es auch für andere leichter, es zu tun.
Fragen rund um die Untersuchung, die Vorbereitung oder deinen persönlichen Termin beantwortet dir am besten dein Facharzt. Mehr medizinisch fundiertes Wissen ohne Google-Chaos findest du bei der Gastroenterologie Zürich AG.