Beckenboden

Verstopfung trotz Ballaststoffen? Wenn der Beckenboden nicht mitmacht

Mehr Ballaststoffe, mehr Wasser, mehr Bewegung – und trotzdem keine Besserung? Bei einem Teil der Betroffenen liegt die Ursache nicht in der Ernährung, sondern in einem Muskel, der im falschen Moment zumacht statt loszulassen.

Verstopfung trotz Ballaststoffen? Wenn der Beckenboden nicht mitmacht

Mehr Ballaststoffe, mehr Wasser, mehr Bewegung. Alles ausprobiert. Und trotzdem bleibt die Verstopfung. Manchmal kommt sogar noch dazu: starkes Pressen, ein Gefühl von unvollständiger Entleerung, obwohl gerade erst Stuhlgang war. Das ist frustrierend. Und es hat oft einen Grund, an den kaum jemand denkt.

Wenn die klassischen Tipps einfach nicht wirken

Bei den meisten Menschen mit Verstopfung liegt das Problem tatsächlich an Ernährung, Flüssigkeit oder Bewegung. Genau deshalb helfen die bekannten Tipps in den meisten Fällen auch wirklich.

Bei einem Teil der Betroffenen liegt die Sache aber anders. Hier steckt keine Frage der Ernährung dahinter, sondern ein Muskel-Problem. Genauer gesagt: der Beckenboden macht nicht richtig mit.

Der Beckenboden: Ein Muskel, der genau im richtigen Moment loslassen muss

Der Beckenboden ist eine Muskelgruppe, die unter anderem die Stuhlentleerung steuert. Damit Stuhlgang funktioniert, muss dieser Muskel sich im richtigen Moment entspannen und öffnen.

Bei einer sogenannten Beckenbodendyssynergie passiert genau das Gegenteil. Der Beckenboden spannt sich beim Pressen zusätzlich an, statt sich zu entspannen. Der Darm will den Stuhl also nach draussen befördern,  doch der Beckenboden blockiert genau in diesem Moment den Weg.

Das erklärt, warum Betroffene oft stark pressen müssen, ohne dass sich wirklich etwas löst.

Warum das leicht übersehen wird

Diese Form der Verstopfung wird häufig zunächst als klassische, ernährungsbedingte Verstopfung behandelt. Verständlich, denn die Beschwerden ähneln sich stark: seltener Stuhlgang, Pressen, ein unangenehmes Völlegefühl.

Was viele überrascht: Bei Menschen, die wegen chronischer Verstopfung genauer untersucht werden, zeigt sich bei bis zu der Hälfte eine Beckenbodendyssynergie. Ein Muster, das deutlich häufiger vorkommt, als man denkt,  aber selten zur Sprache kommt.

Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer, unter anderem weil Schwangerschaft und Geburt den Beckenboden zusätzlich beanspruchen können.

Wie sich das Problem einordnen lässt

Ein wichtiger Unterschied zur klassischen Verstopfung: Hier hilft mehr Pressen nicht weiter, sondern verstärkt das Problem eher noch. Der Beckenboden reagiert auf zusätzlichen Druck oft mit noch mehr Anspannung statt mit Entspannung.

Das bedeutet nicht automatisch, dass etwas grundsätzlich falsch läuft im Körper. Der Beckenboden hat schlicht verlernt, im richtigen Moment loszulassen.Wie ein Muskel, der sich an eine falsche Bewegung gewöhnt hat.

Ob wirklich eine Beckenbodendyssynergie vorliegt, lässt sich mit gezielten Untersuchungen abklären, etwa einer speziellen Druckmessung. Ein Grund zur Sorge ist das nicht, aber ein guter Grund, genauer hinzuschauen, wenn die üblichen Tipps über längere Zeit einfach nicht wirken.

Ein kleiner, machbarer erster Schritt

Die gute Nachricht: Diese Form der Verstopfung lässt sich gut behandeln, meist ganz ohne Medikamente. Mit gezieltem Beckenbodentraining, oft unter Anleitung einer spezialisierten Physiotherapie, lernen viele Betroffene innerhalb weniger Wochen, den Beckenboden im richtigen Moment wieder bewusst zu entspannen.

Ein erster, einfacher Schritt: Beim nächsten Toilettengang bewusst versuchen, nicht zu pressen, sondern ruhig auszuatmen und den Beckenboden loszulassen. Klingt simpel, kann aber schon einen Unterschied machen.

Geschrieben am 01.09.2026


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