Verstopfung Mythen Abführmittel

6 weitere Mythen über Verstopfung – diesmal geht's um Abführmittel

Abführmittel gelten als riskant, suchterzeugend oder schädlich für den Darm. Eine aktuelle Studie räumt mit sechs weiteren Mythen auf – diesmal rund ums Thema Abführmittel. Teil 2 unserer Mythen-Serie.

6 weitere Mythen über Verstopfung – diesmal geht's um Abführmittel

Im ersten Teil ging es um Verstopfung selbst: wer betroffen ist, was normal ist und was nicht. Jetzt kommt der Teil, bei dem die meisten Ängste entstehen: Abführmittel. Kaum ein anderes Thema ist so von Halbwissen geprägt. Süchtig soll man davon werden, der Darm nehme Schaden, das Krebsrisiko steige. Die gleiche Übersichtsarbeit im Fachjournal Frontline Gastroenterology hat auch diese sechs Mythen genau geprüft. Zeit, ehrlich hinzuschauen.

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Viele greifen erst spät zu Abführmitteln, aus Angst, etwas falsch zu machen. Die Vorstellung, sich damit abhängig zu machen oder den Darm langfristig zu schädigen, hält sich hartnäckig. Das führt dazu, dass Beschwerden oft länger ausgehalten werden, als nötig wäre. Dabei zeigt die aktuelle Studienlage: Ein grosser Teil dieser Ängste ist unbegründet. Die gute Nachricht zuerst: Richtig angewendet, sind Abführmittel deutlich sicherer, als ihr Ruf vermuten lässt.

Mythos 7: Abführmittel machen abhängig

Diese Sorge ist weit verbreitet. Die gute Nachricht: Abführmittel wirken lokal im Darm und erreichen das Gehirn gar nicht. Es gibt keine pharmakologische Grundlage für eine Abhängigkeit oder Sucht. Auch eine Gewöhnung, bei der die Wirkung mit der Zeit nachlässt, tritt bei empfohlener Dosierung nur selten auf.

Mythos 8: Abführmittel helfen beim Abnehmen

Kurzfristig zeigt die Waage vielleicht weniger an. Das ist aber nur Wasser- und Stuhlverlust, kein Fettabbau. Wer Abführmittel dafür missbraucht, riskiert Austrocknung. Paradoxerweise kann der Körper danach sogar vermehrt Wasser einlagern.

Mythos 9: Abführmittel bringen den Elektrolythaushalt durcheinander

Bei empfohlener Dosierung stimmt das in der Regel nicht. Wirkstoffe wie Bisacodyl, Natriumpicosulfat oder Sennesblätter (gängige Abführmittel-Inhaltsstoffe) verursachen bei normalem Gebrauch meist keine relevanten Störungen im Flüssigkeits- oder Elektrolythaushalt.

Mythos 10: Abführmittel sind hart zum Darm und verursachen starke Schmerzen

Krämpfe hängen meist von der Dosis ab. Wer mit der niedrigsten wirksamen Menge beginnt und sie bei Bedarf langsam steigert, reduziert Nebenwirkungen spürbar. Ein „alles oder nichts" braucht es nicht.

Mythos 11: Langfristige Einnahme schädigt Darm oder Nerven

Auch hier gibt die aktuelle Studienlage Entwarnung. Es gibt keine überzeugenden Belege, dass eine therapeutische Anwendung von stimulierenden Abführmitteln das Nervensystem im Darm schädigt oder die Darmmuskulatur schwächt.

Mythos 12: Verstopfung erhöht das Darmkrebsrisiko

Manchmal steckt hinter dieser Angst mehr Sorge als Substanz. Systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen konnten bislang keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Verstopfung und einem erhöhten Risiko für Darmkrebs nachweisen.

Was heisst das für dich?

Auch hier gilt: keine Panik, aber auch kein Freifahrtschein für unkontrollierten Gebrauch. Bei gelegentlicher, richtig dosierter Anwendung sind die meisten Ängste rund um Abführmittel wissenschaftlich nicht haltbar. Das bedeutet nicht, dass jede Anwendung automatisch unbedenklich ist. Wenn du Abführmittel über längere Zeit regelmässig brauchst, wenn sie nicht mehr wirken oder wenn neue Beschwerden dazukommen, gehört das mit Fachpersonen besprochen. Selbstmedikation über Wochen hinweg ist kein Ersatz für eine Abklärung der Ursache.

Ein kleiner Schritt für mehr Sicherheit

Bevor du zu Abführmitteln greifst oder deine Dosis erhöhst: Frag in der Apotheke oder bei deinem Hausarzt oder Gastroenterologen nach, welches Mittel zu deiner Situation passt. Häufiger als man denkt, reicht schon die niedrigste Dosierung völlig aus. Kleine Schritte zählen auch hier: lieber vorsichtig starten und beobachten, wie der Körper reagiert.

Verstopfung und Abführmittel sind kein Grund, sich zu schämen oder in Stille auszuhalten.

Geschrieben am 07.07.2026


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